Beinhaus, Zeichnungen

Sinngebung

Das Beinhaus in der Michaelskapelle hinter dem Oppenheimer Dom ist eins der größten Beinhäuser Deutschlands. Von 1400 bis 1750 wurden hier etwa 20 000 Gebeine Oppenheimer Bürger umgebettet. Nach zehnjähriger Ruhezeit auf dem kleinen Friedhof der Stadt wurden die Toten wieder ausgegraben, um Platz zu schaffen für die neu Verstorbenen. Zehn Jahre in geweihter Erde mussten reichen.
Wenn auf dem Oppenheimer Friedhof ein neues Grab ausgehoben wurde, fanden sich darin am nächsten Tag oftmals Knochen aus dem Beinhaus – erzählt man. Die Toten wollten zurück, zurück in die geweihte Erde. Zehn Jahre waren ihnen nicht genug.

Das Beinhaus von Douaumont ist eine französische nationale Grabstätte für die Gebeine der 130 000 Gefallenen, die nach der Schlacht um Verdun nicht identifiziert werden konnten.
Im Beinhaus von Hallstatt liegen 1200 Schädel. Davon sind 610 bemalt, nach Familien geordnet und mit dem Sterbedatum versehen.
Der Bürgermeister von Cugnaux nahe Toulouse verhängte ein Verbot zu sterben. „Spontan-Sterben“ wird mit bis zu 4000 Euro bestraft. Er empfiehlt zu lernen, wie man den Tod verschieben kann. Auf dem Friedhof fehle der Platz für neue Gräber.
Der Tod lässt sich nicht vertagen. Wohl aber lässt er sich beschleunigen. Nirgends wird so spontan gestorben wie im Straßenverkehr. Der plötzliche Unfalltod zieht jährlich eine Million Seelen aus dem Verkehr. Die Verkehrsopfer werden für den Zuwachs an Mobilität und Beschleunigung in Kauf genommen.
Auf dem Gefallenendenkmal in Amöneburg steht zu lesen: „In den Weltkrieg 1914–1918 zogen aus Amöneburg 143 Krieger, von ihnen gaben 28 ihr Leben für uns. Ihr Blut und Leib und Leben für uns habt dahin gegeben. Tote Brüder ruht nun aus!“
Die Amöneburger Jugendlichen wurden für uns geopfert. Das Opfer stiftet die Gemeinschaft.
Opfern ist ein Tauschgeschäft. Die Opfergabe gibts nicht umsonst. Der Geschäftspartner im Opfergeschäft ist die Gottheit. Blut und Leiber werden dahingegeben, Opfer werden taxiert und eingetauscht für Gottes Segen.

Dem Fortschrittsgott werden die Menschenopfer und die Tieropfer dargebracht, ihm werden die Landschaft und die Luft geopfert. Der Fortschrittsgeist haucht der sinnlosen Mobilmachung seinen Sinn ein. Ohne die Opfer wäre der Fortschrittsglaube leer und so sinnlos wie ein Krieg ohne
Leichen.

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